Auf­ga­ben der Verbandsgemeinde

Um das Zusam­men­wir­ken und die Auf­ga­ben­ge­bie­te von Städ­te, Land­krei­se, Ver­bands­ge­mein­den und Gemein­den leich­ter zu ver­ste­hen, zunächst etwas Hin­ter­grund­wis­sen über die kom­mu­na­le Auf­tei­lung in Rheinland-Pfalz.

Ado­be Stock | © lesniewski

Das Bun­des­land Rhein­land-Pfalz ist eine Neu­grün­dung. Sei­ne Ent­ste­hung ver­dankt es der Ver­ord­nung Nr. 57 der fran­zö­si­schen Mili­tär­re­gie­rung vom 30. August 1946, mit der in der fran­zö­si­schen Besat­zungs­zo­ne ein Land geschaf­fen wur­de, das die Pfalz und die dama­li­gen Regie­rungs­be­zir­ke Trier, Koblenz, Mainz und Mon­ta­baur umfasst.

Die kom­mu­na­len Ebe­nen in Rhein­land-Pfalz – ohne Berück­sich­ti­gung des Bezirks­ver­bands Pfalz – glie­dern sich wie folgt:

Am 31. Dezem­ber 2021 leb­ten in den Land­krei­sen des Lan­des 2.895.650 Ein­woh­ner und in den kreis­frei­en Städ­ten 1.216.135. (Quel­le: Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt)

Land­kreis Bad Kreuz­nach (Gra­fik: Hagar66)

Der Land­kreis Bad Kreuz­nach besteht aus der kreis­an­ge­hö­ri­gen Stadt Bad Kreuz­nach sowie den 5 Verbandsgemeinden:

  • Bad Kreuz­nach
  • Kir­ner Land
  • Lan­gen­lons­heim-Strom­berg
  • Nahe-Glan
  • Rüdes­heim

mit ins­ge­samt 117 Ortsgemeinden.

Die Land­krei­se sind Gemein­de­ver­bän­de im Sin­ne des Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG und des Art. 49 Abs. 2 der Lan­des­ver­fas­sung. Im Auf­bau des Kom­mu­nal­sys­tems sind sie kom­mu­na­le Gebiets­kör­per­schaf­ten und Ver­wal­tungs­ein­hei­ten ober­halb der Gemein­de­ebe­ne. Als Behör­de des Land­krei­ses nimmt die Kreis­ver­wal­tung Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben und Auf­trags­an­ge­le­gen­hei­ten wahr. Dane­ben ist die Kreis­ver­wal­tung für einen eng umgrenz­ten Auf­ga­ben­be­reich (ins­be­son­de­re Kom­mu­nal­auf­sicht über die kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den und Ver­bands­ge­mein­den) auch staat­li­che Ver­wal­tungs­be­hör­de des Landes.

Staat­li­che Auf­ga­ben der Kreisverwaltung

Kreis­ver­wal­tung als Landesbehörde:

  • Kom­mu­nal­auf­sicht,
    Gemein­de­prü­fung

Auf­trags­an­ge­le­gen­hei­ten, z. B.:

  • Stra­ßen­ver­kehr, Kfz-Zulas­sung, Fahrerlaubnisse
  • Aus­län­der- und Staatsangehörigkeitsrecht
  • Bau­auf­sicht
  • Gewer­be­recht
  • Gesund­heits­äm­ter, Vete­ri­när­auf­ga­ben, Lebensmittelüberwachung
  • Natur­schutz, Landespflege
  • Denk­mal­schutz
  • Waf­fen- , Jagd- und Fischereirecht

Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben des Landkreises

Pflicht­auf­ga­ben der Selbst­ver­wal­tung, z. B.:

  • Abfall­wirt­schaft
  • Trä­ger­schaft von Gym­na­si­en, berufs­bil­den­den Schu­len und Förderschulen
  • Sozi­al- und Jugendhilfe
  • Ret­tungs­dienst
  • Brand- und Katastrophenschutz
  • Bau und Unter­hal­tung von Kreisstraßen

Freie Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben, z. B.:

  • Kul­tur­för­de­rung, Brauchtum
  • Musik­schu­len
  • über­ört­li­che Wirtschaftsförderung
  • über­ört­li­che Fremdenverkehrsförderung
  • Part­ner­schaf­ten

Die Ver­bands­ge­mein­de Lan­gen­lons­heim-Strom­berg ent­stand zum 1. Janu­ar 2020 aus dem Zusam­men­schluss der Ver­bands­ge­mein­den Lan­gen­lons­heim und Strom­berg. Der neu­en Ver­bands­ge­mein­de gehö­ren ins­ge­samt 17 Orts­ge­mein­den mit 23.072 Ein­woh­nern (Stand 12.2021) an.

  • Bret­zen­heim
  • Dax­wei­ler
  • Dör­re­bach
  • Dor­s­heim
  • Ecken­roth
  • Gul­den­tal
  • Lan­gen­lons­heim
  • Lau­ben­heim
  • Roth
  • Rüm­mels­heim
  • Schö­ne­berg
  • Schwep­pen­hau­sen
  • Sei­bers­bach
  • Strom­berg, Stadt
  • Wald­lau­bers­heim
  • Warmsroth
  • Win­des­heim

Die über­wie­gen­de Zahl der rhein­land-pfäl­zi­schen Gemein­den ist ver­bands­an­ge­hö­rig: Die­se Gemein­den, die die Bezeich­nung „Orts­ge­mein­den“ füh­ren (wobei auch für Orts­ge­mein­den die Bezeich­nung „Stadt“ mög­lich ist), gehö­ren nicht nur einem Land­kreis, son­dern auch einer der ins­ge­samt 129 haupt­amt­lich ver­wal­te­ten Ver­bands­ge­mein­den an. Die Ver­bands­ge­mein­den selbst sind kei­ne Gemein­den, son­dern im Sin­ne des Art. 28 Abs. 2 Satz 2 GG und des Art. 49 Abs. 2 der Lan­des­ver­fas­sung Gemein­de­ver­bän­de. Die Orts­ge­mein­den, von denen die über­wie­gen­de Zahl weni­ger als 1.000 Ein­woh­ner hat (davon 629 sogar weni­ger als 300 Ein­woh­ner), wei­sen gegen­über den ver­bands­frei­en Gemein­den im Wesent­li­chen fol­gen­de Beson­der­hei­ten auf:

  • Sie ver­fü­gen – neben dem Orts­ge­mein­de­rat (Stadt­rat) – über einen ehren­amt­li­chen Bür­ger­meis­ter (Orts- bzw. Stadt­bür­ger­meis­ter), haben jedoch kein haupt­amt­li­ches Ver­wal­tungs­per­so­nal; ihre Ver­wal­tungs­ge­schäf­te wer­den in ihrem Namen und ihrem Auf­trag von der Ver­bands­ge­mein­de­ver­wal­tung geführt.
  • Ein Teil der gemeind­li­chen Selbst­ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten ist ihnen durch Gesetz ent­zo­gen und auf die Ver­bands­ge­mein­den über­tra­gen wor­den (z.B. die Flä­chen­nut­zungs­pla­nung, der Brand­schutz, die Was­ser­ver­sor­gung und die Abwas­ser­be­sei­ti­gung). Im Übri­gen gilt jedoch auch für die Orts­ge­mein­den der Grund­satz der All­zu­stän­dig­keit, ins­be­son­de­re das Recht, sich aller ört­li­chen Ange­le­gen­hei­ten anzu­neh­men, die nicht aus­drück­lich ande­ren Stel­len zuge­wie­sen sind. In der Pra­xis lie­gen die Schwer­punk­te vor allem in der bau­li­chen Ent­wick­lung, der Ent­schei­dung über Her­stel­lung und Aus­bau der Orts­stra­ßen und der Wirt­schafts­we­ge, der Dorf­er­neue­rung, der Unter­hal­tung und der Pfle­ge der bestehen­den Ein­rich­tun­gen, der Gestal­tung der Gemein­de als Kul­tur- und Lebens­raum sowie dem Erlass des Haus­halts­plans und dem Erlass von Abga­ben­sat­zun­gen und Bebauungsplänen.
  • Auf­trags­an­ge­le­gen­hei­ten neh­men die Orts­ge­mein­den grund­sätz­lich nicht wahr. Dies ist Auf­ga­be der Verbandsgemeindeverwaltung.

Cha­rak­te­ris­tisch für die Ver­bands­ge­mein­den ist, dass sie als Gebiets­kör­per­schaf­ten neben und anstel­le der Orts­ge­mein­den gesetz­lich zuge­wie­se­ne Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben der ört­li­chen Gemein­schaft wahr­neh­men. Fer­ner kön­nen die Ver­bands­ge­mein­den wei­te­re Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben der Orts­ge­mein­den über­neh­men, soweit bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen (drin­gen­des öffent­li­ches Inter­es­se, qua­li­fi­zier­te Zustim­mung) vorliegen.

Eige­ne Selbst­ver­wal­tungs­auf­ga­ben
(anstel­le der Ortsgemeinden)

  • Flä­chen­nut­zungs­pla­nung
  • Trä­ger­schaft von Grundschulen
  • Brand­schutz (Feu­er­wehr)
  • Zen­tra­le Sport- und Freizeitanlagen
  • Über­ört­li­che Sozialeinrichtungen
  • Was­ser­ver­sor­gung
  • Abwas­ser­be­sei­ti­gung
  • Aus­bau und Unter­hal­tung von Gewäs­sern drit­ter Ord­nung (Bächen)

Füh­ren der Verwaltungsgeschäfte
­ der Ortsgemeinden

  • Ver­wal­tung der Abgaben
  • Sons­ti­ge Bescheide
  • Voll­stre­ckung
  • Kas­sen­ge­schäf­te
  • Gericht­li­che Vertretung
  • Vor­be­rei­tung von Ent­schei­dun­gen der Ortsgemeinden

Auf­trags­an­ge­le­gen­hei­ten
(Wahr­neh­mung staat­li­cher Auf­ga­ben für das Land)

  • Mel­de­recht
  • Päs­se, Personalausweise
  • Stan­des­amt
  • Stra­ßen­ver­kehrs­recht
  • Gewer­be­recht
  • Gast­stät­ten­recht
  • etc.

Quel­len: Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Rhein­land-Pfalz; Hubert Stu­ben­rauch – Kom­mu­nal­aka­de­mie Rhein­land-Pfalz – Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Rhein­land-Pfalz – Wikipedia